Innerer Monolog: CCC-Teilnehmer hacken NPD-Webseiten

Die Jungs (und Mädels ?) auf dem 25. Chaos Communication Congress haben mal sich mal wieder etwas einfallen lassen: Das Defacement von Webseiten der NPD und das Hacken der damit verbundenen Datenbankserver.

Die Sprecher des CCC stellen diese Aktionen als “über die Stränge schlangendes Bürgerengagement” dar.

meinungIch bin ehrlich gesagt solchen Handlungen gegenüber zwiegespalten, wie folgt dargestellt mittels Engelchen und Teufelchen, die auf meiner Schulter sitzen:

Engelchen (Contra)

Darüber dass diese Handlungen gegen geltendes Recht verstoßen, bin ich mir ziemlich sicher. Das sollte für ehrliche Bürger dann schon mal ein Grund dagegen sein.

Außerdem gefällt mir der Ansatz nicht, dass mit Mitteln einer Organisation geschadet wird, die als Vandalismus im realen Leben bezeichnet werden würde.  Würde jemand von diesen Hackern die Reifen von [wiki]Udo Voigt[/wiki] aufstechen? Oder vielleicht sein Gartenhaus anzünden? Und wenn ja, wie wäre die öffentliche Meinung dazu?

Ich denke einfach, dass ein Bürger eines Rechtstaats die Mittel desselben nutzen sollte, um sich gegen unliebsame Strömungen in der Gesellschaft zu wehren.

Fangen wir mit diesen Aktionen an und verwenden sie unter der Begründung “der Zweck heiligt die Mittel” ist die Spirale nicht mehr aufzuhalten. Natürlich sind jene, die sich nicht an die gesetzlichen Rahmenbedingungen effektiver und eindrucksvoller – aber wenn der Bürger es zulässt oder willentlich sogar die Gesetze bricht, dann ist er nicht besser als jene, die er versucht aufzuhalten.

(Nebengedanke: Genau das gleiche Plädoyer halte ich übrigens dem Staat, der versucht mit Freiheitsbeschränkungen (Onlinedurchsuchung, Biometrie in Dokumenten, Vorratsdatenspeicherung) “unsere” Freiheit zu bewahren. Sind alle Gesetze erlassen und sämtliche Bürger unter Vollkontrolle, ist das Leben das wir schützen wollten einfach nicht mehr da. )

Man stelle sich nur vor, die NPD oder engagierte Kräfte des gleichen Spektrums beginnen diesen Guerilla-Krieg anders herum auch und verändern die Seiteninhalte von Wikipedia, Tagesspiegel oder auch www.fragfinn.de (einer Kindersuchmaschine). Das kann doch keiner wollen, oder?

Teufelchen (Pro)

Ich bin wahrlich kein Freund der NPD und dem rechten Spektrum im Allgemeinen. Ich empfinde es in der Regel aus einer Mischung von ewig gestrigen und frustrierten, weil am Rande der Gesellschaft stehenden jungen Leuten.

Aus diesem Grund kann ich eine gewisse Schadenfreude über diese Hacks natürlich nicht verbergen.

Auch die Datenbankinhalte könnten interessante und vielleicht Augen-öffnende Fakten über das wirkliche Gesicht ( dazu passend: Udo Voigt erzählt selbst ) liefern und so die öffentliche Front gegen den wachsenden Rechtsextremismus und die Fremdenfeindlichkeit stärken.

Fazit

Ich bin kein Aktivist und kein besonders politischer Mensch. Ich lebe nur gern nach Prinzipien und finde, dass eine Gesellschaft nur richtig funktionieren kann, wenn diese eingehalten werden.

Da ich aber ebenfalls für Freiheit des Einzelnen bin und auch niemand persönlicher Schaden zugefügt wurde, sehe ich die ganze Aktion als eine Art Bürgerwehr an, bei der ich nicht mitwirken würde, aber deren größere Ziele ich wahrscheinlich unterstützen kann.

Kurzer Geek-Exkurs

Es ist sowohl von programmiertechnischer als auch von administrativer Seite sehr bedenklich, dass die Webhoster so schlecht abgesichert sind. Ohne Fehler und Nachlässigkeiten wären solche Aktionen – zumindestens nicht innerhalb einer Konferenz – zu realisieren.

via: heise Security: 25C3: NPD-Webseiten fest in Hackerhand

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